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«Recycling ist eine Notlösung» — das Interview zur Kreislaufwirtschaft

Im jetzigen Wirtschaftssystem nutzen wir Rohstoffe, verarbeiten sie und werfen die Produkte anschliessend weg. In einem zirkulären Modell soll hingegen ein möglichst effizienter Kreislauf entstehen. Dabei ist oft von Recycling die Rede. Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft beinhaltet laut Prof. Dr. Tobias Stucki jedoch noch viel mehr.

In diesem Monat möchten wir auf das Thema Kreislaufwirtschaft eingehen. Grund ist unsere derzeitige Reuse Collection. Forschungsdozent im Bereich Nachhaltigkeit an der Berner Fachhochschule Prof. Dr. Tobias Stucki erklärt uns im Interview mehr zum zirkulären Wirtschaftsmodell.

NIKIN: Was ist an dem jetzigen Wirtschaftssystem falsch?
Tobias: Die oft knappen Ressourcen werden nicht effizient eingesetzt. Bestes Beispiel: Massenproduktion von Artikeln, die Konsumierende nur einmal nutzen und dann wegschmeissen.

NIKIN: Sprich, man müsste mehr Recycling betreiben?
Tobias: Jein. Recycling ist die Endstufe innerhalb der klassischen Kreislaufwirtschaft. Das Aufbereiten von Materialien kostet Zeit, Geld und Energie. In dem Sinne ist Recycling eine Notlösung. Wir sollten Materialien effizient und vor allem lange brauchen. Sprich, das Velo reparieren anstatt es zu recyclen.

Tobias Stucki Porträt

NIKIN: Sind Gewinn und Wirtschaftswachstum auch in einer Kreislaufwirtschaft möglich?
Tobias: Ja, das belegen zahlreiche Beispiele. Wenn die Kund*innen die Produkte länger nutzen und somit weniger konsumieren, müssen die Firmen dazu aber allenfalls ihre Preise erhöhen bzw. ihr Geschäftsmodell anpassen, indem sie die Produkte zunehmend vermieten anstatt verkaufen.

NIKIN: Wie realistisch ist eine mehrheitliche Kreislaufwirtschaft überhaupt?
Tobias: Die Kreislaufwirtschaft ist nicht ein Zustand, der einfach mit ein paar wenigen Anpassungen zu erreichen ist. Vielmehr lässt sich die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft mit einer Bergtour vergleichen. Die Kreislaufwirtschaft ist der Gipfel, das Ziel. Um da hinzukommen, müssen wir noch einige Kilometer gehen. Wichtig ist, dass alle anfangen sich Schritt für Schritt diesem Ziel zu nähern. Firmen fangen beispielsweise bei einem Produkt an, machen es recycelbar. Dann wenden sie sich dem Thema Energiemix zu und so weiter.

NIKIN: Viele Unternehmen scheinen aber noch nie etwas von Kreislaufwirtschaft gehört zu haben…
Tobias: Nicht nur die Unternehmen. Die Gesellschaft als Ganzes steckt bei diesem Thema noch in den Kinderschuhen. Wir diskutieren das Thema mittlerweile mehr, Viele wissen aber nicht, wie sich dieses Konzept konkret bei sich im Unternehmen oder zu Hause umsetzen lässt.

Symbolbild

NIKIN: Welche Rolle spielt Bildung bei diesem Thema?
Tobias: Wir haben eine Studie für das BAFU gemacht, um zu sehen, was die Hürden bei der Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft sind. Eine der zentralen Hürden: es fehlt oft an Umsetzungswissen. Es scheint weniger ein technisches und mehr ein organisatorisches Problem zu sein. Auch wir von der Berner Fachhochschule sehen uns dabei in der Verantwortung. Neben Modulen in der Lehre haben wir daher einen neuen Fachkurs Circular Economy entwickelt, wo explizit dieses Umsetzungswissen geschaffen werden soll.

NIKIN: Wem obliegt die grösste Verantwortung die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben: Konsumierende, Hersteller oder Staat?
Tobias: Bei globalen Themen wie der Nachhaltigkeit ist die Verantwortung geteilt. Wenn wir unsere gesteckten Klimaziele erreichen wollen reicht es nicht, den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben. Vielmehr müssen alle Akteure starten ihre Möglichkeiten so gut es geht auszuschöpfen.

 

Portrait Prof. Dr. Tobias Stucki
Nach einem klassischen Wirtschaftsstudium und einem PhD in Entrepreneurship, kam das Thema Nachhaltigkeit für Tobias bereits in seiner Tätigkeit in der Innovationsforschung an der ETH auf. Seit über 10 Jahren beschäftigt er sich mit Fragen zu nachhaltigen Innovationen und Kreislaufwirtschaft.

Kommentar

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